Franchise richtig wählen — So sparen Sie am meisten
Veröffentlicht am 11. April 2026 · Lesezeit: ca. 9 Minuten
Die Wahl der richtigen Franchise ist einer der wichtigsten Hebel, um bei der Grundversicherung Geld zu sparen. Trotzdem wählen viele Versicherte ihre Franchise einmal — und ändern sie dann jahrelang nicht. Das kann teuer werden: Je nach Gesundheitszustand und Arztkosten lassen sich durch die optimale Franchise-Stufe mehrere Hundert Franken pro Jahr einsparen. In diesem Ratgeber erklären wir Ihnen das System der Franchise in der Schweiz, zeigen konkrete Rechenbeispiele und helfen Ihnen, die beste Wahl für 2026 zu treffen.
Was ist die Franchise?
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Kalenderjahr selbst bezahlen müssen, bevor Ihre Krankenkasse beginnt, Kosten zu übernehmen. Sie ist Teil des Kostenbeteiligungssystems der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) gemäss dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG). Neben der Franchise gibt es den Selbstbehalt und den Spitalbeitrag — zusammen bilden diese drei Elemente Ihre maximale jährliche Kostenbeteiligung.
Das Prinzip ist einfach: Haben Sie beispielsweise eine Franchise von CHF 300, bezahlen Sie die ersten CHF 300 an Behandlungskosten im Jahr komplett selbst. Danach übernimmt die Kasse 90 % der weiteren Kosten — die restlichen 10 % tragen Sie als Selbstbehalt, maximal CHF 700 pro Jahr. Eine höhere Franchise bedeutet also mehr Eigenrisiko, dafür aber eine tiefere monatliche Prämie.
Franchise, Selbstbehalt und Spitalbeitrag — der Unterschied
Franchise: Fester Jahresbetrag, den Sie zuerst selbst tragen (CHF 300 bis CHF 2'500).
Selbstbehalt: 10 % der Kosten über der Franchise, maximal CHF 700/Jahr (Kinder: CHF 350).
Spitalbeitrag: CHF 15 pro Spitaltag (nur Erwachsene).
Maximale Kostenbeteiligung pro Jahr: Bei der höchsten Franchise (CHF 2'500) beträgt das Maximum: CHF 2'500 + CHF 700 = CHF 3'200 plus Spitalbeiträge. Bei der tiefsten Franchise (CHF 300): CHF 300 + CHF 700 = CHF 1'000 plus Spitalbeiträge.
Die 6 Franchise-Stufen für Erwachsene
In der Schweiz stehen Erwachsenen ab 19 Jahren sechs verschiedene Franchise-Stufen zur Verfügung. Die Mindestfranchise beträgt CHF 300, die Höchstfranchise CHF 2'500. Jede Stufe hat einen direkten Einfluss auf Ihre monatliche Prämie: Je höher die Franchise, desto tiefer die Prämie — und umgekehrt.
Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre gelten separate, tiefere Franchise-Stufen: CHF 0 (Franchise-Befreiung), CHF 100, CHF 200, CHF 300, CHF 400, CHF 500 und CHF 600. Die Mindestfranchise für Kinder beträgt also CHF 0 — es gibt keinen Zwang zur Kostenbeteiligung vor der Kostenübernahme.
Für junge Erwachsene (19–25 Jahre) gelten dieselben Franchise-Stufen wie für Erwachsene, allerdings profitieren sie von reduzierten Prämien bei vielen Krankenkassen. Dies ist besonders relevant für Studierende und Berufseinsteiger, die häufig gesund sind und von einer höheren Franchise profitieren können.
Rechenbeispiele: Was kostet Sie welche Franchise wirklich?
Die entscheidende Frage lautet: Wie viel sparen Sie tatsächlich mit einer höheren Franchise — und ab welchen Gesundheitskosten wird eine tiefe Franchise günstiger? Die folgende Tabelle zeigt konkrete Berechnungen für eine erwachsene Person im Kanton Zürich (Durchschnittswerte 2026). Die Prämienersparnis bezieht sich auf die Differenz zur Mindestfranchise von CHF 300.
| Franchise | Monatsprämie (ca.) | Jahresprämie | Prämienersparnis/Jahr | Max. Eigenkosten | Gesamtkosten max. |
|---|---|---|---|---|---|
| CHF 300 | CHF 420 | CHF 5'040 | CHF 0 | CHF 1'000 | CHF 6'040 |
| CHF 500 | CHF 400 | CHF 4'800 | CHF 240 | CHF 1'200 | CHF 6'000 |
| CHF 1'000 | CHF 370 | CHF 4'440 | CHF 600 | CHF 1'700 | CHF 6'140 |
| CHF 1'500 | CHF 345 | CHF 4'140 | CHF 900 | CHF 2'200 | CHF 6'340 |
| CHF 2'000 | CHF 320 | CHF 3'840 | CHF 1'200 | CHF 2'700 | CHF 6'540 |
| CHF 2'500 | CHF 295 | CHF 3'540 | CHF 1'500 | CHF 3'200 | CHF 6'740 |
Lesebeispiel: Wer die Franchise von CHF 300 auf CHF 2'500 erhöht, spart rund CHF 1'500 an Prämien pro Jahr. Allerdings steigt das maximale Eigenrisiko um CHF 2'200 (von CHF 1'000 auf CHF 3'200). Solange Ihre jährlichen Gesundheitskosten unter etwa CHF 1'800 bleiben, fahren Sie mit der hohen Franchise günstiger. Übersteigen die Kosten diesen Schwellenwert, ist die tiefe Franchise die bessere Wahl.
Wann lohnt sich welche Franchise?
Die Faustregel ist simpel: Gesunde Menschen profitieren von einer hohen Franchise, chronisch Kranke von einer tiefen. Doch die Realität ist differenzierter. Hier drei typische Szenarien:
Szenario 1: Der gesunde Erwachsene (25, selten krank)
Jährliche Gesundheitskosten: ca. CHF 200–500 (1–2 Arztbesuche, gelegentlich Medikamente). Empfehlung: Franchise CHF 2'500. Die Prämienersparnis von rund CHF 1'500 pro Jahr übersteigt die tatsächlichen Kosten bei weitem. Selbst in einem «Pech-Jahr» mit einem Unfall oder einer Operation bleibt das Gesamtkostenniveau tiefer als bei der Mindestfranchise, sofern dies nicht jedes Jahr passiert.
Szenario 2: Die berufstätige Mutter (42, gelegentliche Arztbesuche)
Jährliche Gesundheitskosten: ca. CHF 1'500–2'500 (regelmässige Kontrollen, Physiotherapie, Medikamente). Empfehlung: Franchise CHF 500 oder CHF 1'000. Die moderate Prämienersparnis gleicht die Mehrkosten bei der Franchise aus. Bei CHF 500 Franchise spart sie CHF 240 an Prämien und zahlt nur CHF 200 mehr an Franchise — ein kleines Plus.
Szenario 3: Der chronisch Kranke (58, Diabetes, regelmässige Behandlung)
Jährliche Gesundheitskosten: ca. CHF 5'000–10'000. Empfehlung: Franchise CHF 300. Da die Franchise jedes Jahr vollständig ausgeschöpft wird, lohnt sich die tiefste Stufe eindeutig. Die höhere Prämie wird durch die massiv tiefere Kostenbeteiligung mehr als kompensiert.
Ein weiterer wichtiger Aspekt: Wer sich für eine hohe Franchise entscheidet, sollte den Betrag als Notreserve jederzeit verfügbar haben. Nichts ist ärgerlicher, als im Krankheitsfall die Franchise nicht bezahlen zu können und deshalb auf eine nötige Behandlung zu verzichten. Das BAG empfiehlt, mindestens den Franchise-Betrag auf einem separaten Konto bereitzuhalten.
Franchise für Familien
Bei Familien wird die Franchise-Wahl komplexer, da für jedes Familienmitglied separat entschieden werden muss. Für Kinder empfehlen Experten fast immer die Franchise CHF 0: Kinder gehen regelmässig zur Vorsorge, werden häufiger krank und benötigen gelegentlich Notfallbehandlungen. Die Prämienersparnis bei einer Kinderfranchise von CHF 600 ist zudem minimal — oft nur CHF 5–10 pro Monat.
Wichtig: In der Schweiz gibt es keine Familienfranchise. Jedes Familienmitglied hat seine eigene Franchise, seinen eigenen Selbstbehalt und seine eigene Prämie. Allerdings gilt für Kinder einer Familie eine besondere Regelung: Der kombinierte Selbstbehalt aller Kinder einer Familie ist auf maximal CHF 1'000 pro Jahr begrenzt (statt CHF 350 pro Kind). Dies ist besonders relevant für Familien mit drei oder mehr Kindern.
Für Eltern gelten folgende Überlegungen: Wenn beide Elternteile gesund sind und selten zum Arzt gehen, kann eine Kombination sinnvoll sein — beispielsweise CHF 2'500 für den einen und CHF 1'500 für den anderen Elternteil. So streuen Sie das Risiko und sparen trotzdem erheblich bei den Prämien. Ein Krankenkassenvergleich zeigt Ihnen die genauen Prämienunterschiede für Ihre Familie.
Besonders für Familien lohnt es sich, die Prämienunterschiede nach Kanton zu prüfen. Bei einer vierköpfigen Familie summieren sich selbst kleine Prämienunterschiede schnell auf mehrere Tausend Franken pro Jahr. Und vergessen Sie nicht: Familien mit tiefem Einkommen haben Anspruch auf Prämienverbilligung (IPV) — der Antrag muss beim zuständigen Kanton eingereicht werden.
Franchise ändern — wann möglich?
Die Franchise kann nicht beliebig geändert werden. Es gelten klare Fristen und Regeln, die im KVG festgelegt sind:
Franchise erhöhen (z.B. von CHF 300 auf CHF 2'500): Dies ist jeweils per 1. Januar möglich. Die schriftliche Mitteilung an Ihre Krankenkasse muss spätestens am 30. November des Vorjahres eingehen. Einige Kassen akzeptieren Änderungen auch noch bis Ende Dezember — prüfen Sie dies bei Ihrem Versicherer.
Franchise senken (z.B. von CHF 2'500 auf CHF 300): Auch eine Senkung ist per 1. Januar möglich und muss bis 30. November mitgeteilt werden. Beachten Sie: Wenn Sie gleichzeitig die Kasse wechseln, können Sie die Franchise im selben Zug anpassen.
Franchise unterjährig ändern: Eine Änderung während des laufenden Kalenderjahres ist grundsätzlich nicht möglich. Ausnahme: Wenn Sie die Kasse per 1. Januar wechseln und dabei eine neue Franchise wählen. Einige Kassen ermöglichen zudem eine Franchisesenkung per 1. Juli bei gleichzeitigem Wechsel in ein anderes Versicherungsmodell (z.B. vom Standardmodell ins Hausarztmodell) — dies ist aber nicht bei allen Versicherern möglich.
Ein häufiger Fehler: Viele Versicherte vergessen, ihre Franchise rechtzeitig anzupassen, wenn sich ihre Lebenssituation ändert — etwa bei einer Schwangerschaft, einer neuen chronischen Diagnose oder dem Eintritt ins Rentenalter. Überprüfen Sie Ihre Franchise daher mindestens einmal jährlich, idealerweise im Oktober, wenn die neuen Prämien für das Folgejahr publiziert werden.
Neben der Franchise-Wahl gibt es weitere Möglichkeiten, die Prämie zu senken. Das Hausarztmodell (alle Behandlungen zuerst über den Hausarzt), das HMO-Modell (Behandlung in einer Gruppenpraxis) und das Telemedizin-Modell (telefonische Erstberatung) bieten Prämienrabatte von 5–20 %. Diese Modelle lassen sich mit jeder Franchise-Stufe kombinieren, sodass die Einsparungen kumuliert werden können. Nutzen Sie unseren Prämienvergleich, um die günstigste Kombination aus Franchise und Versicherungsmodell zu finden.
Abschliessend: Die richtige Franchise-Wahl ist keine Raketenwissenschaft, erfordert aber eine ehrliche Einschätzung Ihrer Gesundheitskosten. Nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit, schauen Sie Ihre Arzt- und Apothekenrechnungen der letzten zwei Jahre an und rechnen Sie durch, welche Franchise-Stufe für Sie die günstigsten Gesamtkosten ergibt. Im Zweifelsfall gilt: Eine moderate Franchise von CHF 1'000 oder CHF 1'500 ist für die meisten Erwachsenen ein guter Kompromiss zwischen tiefer Prämie und überschaubarem Eigenrisiko.
Häufig gestellte Fragen
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